Autobiographie in fünf Kapiteln


von
Portia Nelson

1
Ich gehe die Straße entlang.
da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich falle hinein.
Ich bin verloren….Ich bin ohne Hoffnung.
Es ist nicht meine Schuld.
Es dauert endlos, wieder herauszukommen.

2
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich tue so, als sähe ich es nicht.
Ich falle wieder hinein.
Ich kann nicht glauben, schon wieder am selben Ort zu sein.
Aber es ist nicht meine Schuld.
Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen.

3
Ich gehe dieselbe Straße entlang,
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich sehe es.
Ich falle immer noch hinein…. – aus Gewohnheit.
Meine Augen sind offen, ich weiß, wo ich bin.
Es ist meine eigene Schuld.
Ich komme sofort heraus.

4
Ich gehe dieselbe Straße entlang,
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich gehe darum herum.

5
Ich gehe eine andere Straße

(Quelle: Das Tibetische Buch vom Leben und Sterben)

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Veröffentlicht am 3. August 2016, in Geschichten. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Ich mag die Zeilen sehr gerne, hatte sie lange hier an der Wand hängen.

    So funktioniert für mich eine gute Therapie. Da gibt es kein AHA-Erlebnis, kein Licht, das einem plötzlich aufgeht. Keine Hauruck-Erkenntnis.

    Die Veränderung vollziehen sich quasi heimlich still und leise im Inneren….und irgendwann stellt man fest, dass man schon länger eine andere Straße entlang geht.

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